RAHMENBEDINGUNGEN FÜR EINE DEUTSCHE OLYMPIABEWERBUNG

Die zu sieben gesellschaftlichen Forderungen zusammengefassten Erkenntnisse der unterschiedlichen Dialogformate und Gespräche wurden vom Meinungsforschungsinstitut forsa in einer bundesweiten, repräsentativen Umfrage evaluiert. Die Ergebnisse dieser Marktforschung finden sich, ebenso wie die Ergebnisse der seit Jahresbeginn kontinuierlich durchgeführten Erhebung der Agentur ONE8Y zur Zustimmung der Bevölkerung zu einer möglichen Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele, im Anhang dieser Erklärung.

Impulse für das ganze Land
85 %

fordern Mehrwerte für Bereiche neben dem Sport

56 %

sind überzeugt, dass die Spiele Impulse hin zu einer modernen und offenen Gesellschaft geben

  • Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland müssen in der Mitte der Gesellschaft verankert sein und Impulse für ein modernes, vielfältiges und offenes Deutschland liefern. Sie müssen dazu beitragen, eine Vision für unser zukünftiges Zusammenleben zu schaffen, den Zusammenhalt wieder zu stärken und Mehrwerte für möglichst viele Menschen zu bieten.
  • Bereits eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele muss über den Sport hinaus positive Effekte für unser Land erzeugen und frische Impulse für die existierenden Entwicklungsplanungen in unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen liefern. Beispielsweise für den Ausbau und die Modernisierung des bundesweiten Streckennetzes, des öffentlichen Nahverkehrs, der barrierefreien Mobilität im städtischen und ländlichen Raum, der digitalen Transformation sowie den Abbau von Bürokratie und der Schaffung inklusiver Bewegungsangebote.
  • Mögliche Olympische und Paralympische Dörfer müssen maximal nachhaltig konzipiert werden und nach den Spielen Wohnraum für alle bieten.
  • Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland müssen ein begeisterndes Festival werden, welches andere gesellschaftliche Bereiche wie beispielsweise Bildung, Wissenschaft, Kunst und Kultur einbindet und somit vor allem auch Impulse für die jüngeren Generationen liefert.
  • Die Bewerbung und die Durchführung Olympischer und Paralympischer Spiele sollen das Ansehen und die internationale Wahrnehmung Deutschlands stärken und nachhaltig positiv prägen, was sich in weiterer Folge auch auf die Wirtschaft und den Tourismus auswirken soll. Bundesweite Kampagnen und Projekte müssen Deutschland frühzeitig für Olympische und Paralympische Spiele emotionalisieren und in Bewegung bringen.
  • Im Rahmen einer Bewerbung und der Ausgestaltung von Verträgen ist darauf zu achten, dass, soweit es die rechtlichen Möglichkeiten zulassen, insbesondere deutsche oder regionale Unternehmen bei der Auftragsvergabe berücksichtigt und nachhaltige Rahmenbedingungen eingehalten werden.
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Mehrwerte für den Sport in Deutschland
85 %

sind überzeugt, dass Olympia den Leistungssport fördert und breite Sportbegeisterung weckt

  • Schon die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele muss dafür sorgen, dass ein Masterplan entwickelt wird, der die Kräfte im Sport bündelt und ermöglicht, dass die großen Herausforderungen der Zukunft gemeinsam, aktiv und zielgerichtet angegangen werden.
  • Es ist zu gewährleisten, dass die Nachnutzung der Sportstätten, die für Olympische und Paralympische Spiele modernisiert werden, vollumfänglich sichergestellt ist.
  • Eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele muss zu einer Verbesserung der infrastrukturellen und personellen Bedingungen für den Spitzen-, Vereins-, Schul- und Freizeitsport in Deutschland führen. Eine Bewerbung muss deshalb mit einem bundesweiten Sportstättenbau- und Sanierungsprogramm sowie einer Stärkung des Ehrenamts verbunden werden.
  • Sport und Bewegung müssen bereits durch eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele zu einem selbstverständlichen, sichtbaren Teil unserer Gesellschaft werden und Anreize zur Bewegung liefern.
  • Olympische und Paralympische Spiele müssen den Sport in all seinen Facetten nachhaltig fördern und ein Treiber sein, um stärkere Verbindungen zwischen Breiten- und Spitzensport zu schaffen.
  • Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland sollen eine langfristige Förderung für alle Sportarten, insbesondere für jene abseits des medialen Interessens, bewirken. Auch, um neue Vorbilder für nachfolgende Generationen zu kreieren.
  • Olympische und Paralympische Spiele müssen Bewegung und Sport in der Kita und in der Schule, im öffentlichen Raum und in der Nachbarschaft durch moderne Impulse, innovative Konzepte und niedrigschwellige Mitmachangebote für Menschen in allen Lebensphasen und Lebenslagen weiterentwickeln, damit der Sport seine gesundheitsfördernde und verbindende Wirkung entfalten kann.
  • Bereits ein Grobkonzept muss erste Legacy-Projekte und Maßnahmen enthalten, die den Breiten- und Leistungssport auf dem Weg zu den Spielen frühzeitig einbinden und nachhaltig stärken.
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Solide Planungen und keine Kostenexplosion zu Lasten der Steuerzahler*innen
84 %

fordern, die Kosten so gering wie möglich zu halten

  • Permanentes Kostenbewusstsein und maximale Transparenz auch im wirtschaftlichen Bereich müssen bei einer Bewerbung im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Planungen stehen.
  • Bei der Erstellung eines Konzepts ist darauf zu achten, dass die ökonomisch nachhaltigste Lösung gewählt wird.
  • Die Bewerbung und die Durchführung der Olympischen und Paralympischen Spiele müssen mit einem realistischen, vertretbaren und verbindlich einzuhaltenden Kostendeckel versehen werden. Das Budget muss die Planungen bestimmen, nicht die Planungen das Budget.
  • Mit der Präsentation des Bewerbungskonzepts im kommenden Jahr muss eine seriöse und nachvollziehbare Finanzplanung für die Bewerbung, vor allem aber für die Durchführung der Spiele, vorgelegt werden.
  • Der wirtschaftliche Nutzen von Olympischen und Paralympischen Spielen muss evaluiert, mögliche Risiken klar benannt werden.
  • Vor der finalen Einreichung einer Bewerbung beim IOC muss geklärt und transparent dargelegt werden, welcher Teil der Kosten aus Eigenmitteln und welcher aus Steuergeldern von welcher Gebietskörperschaft getragen wird.
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Aktuelle Mehrheit für Spiele im Sommer
  • Im Dialogprozess sowie der Meinungsforschung spricht sich aktuell eine Mehrheit der deutschen Gesellschaft für Olympische und Paralympische Spiele im Sommer aus.
  • Gleichzeitig ist der DOSB aufgefordert, verbindlich zu prüfen, ob und unter welchen Rahmenbedingungen neben einer Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele im Sommer gegebenenfalls auch eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Winterspiele ab 2038 realisierbar wäre. Insbesondere mit Blick auf die jeweiligen Erfolgsaussichten und etwaiger Kooperationsmodelle mit dem benachbarten Ausland. Diese Prüfung soll erfolgen, sobald das IOC die Bewerbungs- und Durchführungskriterien für die Olympischen Winterspiele ab dem Jahr 2038 final definiert hat.
  • Eine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036 wird mehrheitlich als eine Chance für Deutschland gesehen. 100 Jahre nach den Propagandaspielen von Berlin und Garmisch-Partenkirchen hätte Deutschland die Möglichkeit, sich als demokratisches, modernes und weltoffenes Land zu präsentieren, das verantwortungsvoll mit seiner Vergangenheit umgehen und gleichzeitig bunte Spiele im Herzen Europas organisieren kann.
  • Eine Bewerbung für 2036 muss erfolgen, weil dies die nächsten Spiele der Sommer-Edition sind, die vom IOC vergeben werden. Der Sport und das nachhaltige Vermächtnis der Spiele muss auch bei einer Bewerbung für dieses Jahr im Mittelpunkt stehen, nicht die Erinnerungskultur.
  • Die Spiele 2036 bieten eine gute Möglichkeit für eine angemessene und sensible Vermittlung der deutschen Geschichte, vor allem an junge Generationen.
  • Da die internationalen Chancen einer deutschen Bewerbung für 2036 vor dem historischen Kontext und weiterer geopolitischer Umstände auch kritisch gesehen werden können, muss ein Konzept entwickelt werden, welches auch eine Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2040 ermöglicht.
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